* wer heilt, hat recht…
Posted on December 21st, 2008 by mel. Filed under alles, schimpfschreibe.
… aber recht haben und recht bekommen sind ja bekanntlich zwei verschiedene paar schuhe und so findet man sich in schöner regelmässigkeit im kampf schulmedizin vs. alternativ- bzw. komplementärmedizin wieder.
am 17.12.08 lief im WDR die sendung hart aber fair mit dem thema “Hand auflegen oder nur Hand aufhalten - Was taugt die alternative Medizin? ” . ich habe die sendung interessiert und zwischendurch auch amüsiert verfolgt. schade, dass die “alternativen” so schlecht besetzt wurden. fliege geht schlichtweg gar nicht und engelkontakte, das ist mir zuviel eso, kartenlegen etc. hat für mich nix mit naturheilkunde oder sanfter medizin zu tun. eine sinnvolle diskussion war also gar nicht möglich, da die alternative fraktion eigentlich gar nicht vertreten war, ausser dem heilpraktiker des FC kölns, aber der hatte leider nur einen kurzen gastauftritt.
egal, die diskussion ist ja nicht neu, wohl aber interessant.
was mich zuerst einmal stört ist die tatsache, dass die kosten für die schulmedizinischen behandlungen nicht direkt als kosten auffallen, da sie ja idR von der krankenkasse übernommen werden und nicht direkt bezahlt werden. geht man zB zu einem heilpraktiker, der die kosten seiner arbeit meistens nicht mit der krankenkasse abrechnen kann, muss man als patient ganz direkt seinen geldbeutel zücken. ob nun der heilpraktiker oder der arzt behandelt: beide rechnen ab! und da wir keine erfolgshonorare im gesundheitswesen abrechnen, kosten beide wege geld, egal, ob sie etwas bringen, oder nicht.
aber heilerfolg ist ja auch nicht immer das erklärte ziel, so ist zB die palliativmedizin ein ganz eigener bereich, der bei todkranken nicht den anspruch der lebensverlängerung hat, sondern den anspruch der restlebenszeit mehr qualität zu verschaffen. oder auch die misteltherapie bei krebs: auch die mistel “heilt” den krebs nicht, sie unterstützt aber effektiv. sollte man das jetzt alles weglassen, weil es nicht direkt “heilt”? gehört so etwas dann nicht mehr in den bereich medizin, den man guten gewissens abrechnen kann und darf?
die antwort wird wohl bei fast jedem in diesem punkt nein lauten, denn natürlich ist auch die verbesserung der lebensqualität ein wichtiger bereich der medizin, nicht allein die heilung. eigentlich geht es doch ausschliesslich darum, oder? wenn ich einen lebensbedrohlichen tumor habe, der aber keinerlei symptome auslöst, dann würde ich irgendwann tot umfallen, ohne bei einem arzt, heilpraktiker oder heiler aufgetaucht zu sein. mich hat ja keinerlei beeinträchtigung dazu genötigt, dem auf den grund zu gehen. grundsätzlich könnte man also zusammenfassen, dass heilung = verbesserte lebensqualität ist, unheilbar aber die möglichkeit die lebensqualität zu verbessern nicht ausschliesst.
in meinem leben vor der heilpraktikerausbildung habe ich mit wirtschaftsfachleuten, unternehmensberatern, juristen, steuerberatern und finanzfachleuten zu tun gehabt. ich habe viele verschiedene projekte betreut und begleitet. egal ob es um den börsengang eines unternehmens ging, einen geschlossenen fond ins leben zu rufen oder ein unternehmen zu gründen und in wirtschaftlicher hinsicht zu beraten. bei all diesen tätigkeiten waren mehrere personen beteiligt. jeder mal mehr, mal weniger elemantar. auch hier fand sich zB bei den steuerberatern und juristen immer wieder gerne der streit des stammesdünkel: steuerberatern ist es verboten verträge zu erstellen, juristen können ohne fundierte steuerrechtskenntnisse zwar einen zivilrechtlich einwandfreien vertrag aufsetzen, lösen damit aber immer mal wieder gerne verheerend teuere steuerszenarien aus. die einen schimpfen über die anderen und doch geht der effektivste und effizienteste weg nicht daran vorbei: der eine MUSS mit dem anderen.
es ist bei den heilenden berufen ja auch nicht ausschliesslich so, dass die schulmediziner über die alternativen schimpfen, auch die alternativen lösen bei mir kopfschütteln aus. auch das erinnert mich an mein “früheres” leben: um den kopf nach der arbeit freizubekommen bin ich mit meinem kollegen oft zu fuss nach hause gegangen, beide natürlich in klassischer businessuniform anzug bzw. kostüm. kamen wir durch die stadt und an ein paar punks, die auf der strasse hockten, vorbei, bekamen wir nicht selten nettigkeiten wie “scheiss spiesser” entgegengebracht. toleranz de luxe von einer gruppe, die ständig anprangert, dass sie zuwenig toleranz entgegengebracht bekommt, wenn zB der filialleiter einer bank dafür sorgt, dass sie nicht direkt vor der bank ihr lager aufschlagen.
ich persönlich grusel mich immer ganz schrecklich, wenn die alternative fraktion über die bösen schulmediziner schimpft. das erinnert mich dann immer ein bisschen an die punks vor der bank.
auch, wenn ich erst am anfang meines weges in der heilkunst bin, so habe ich auch hier die meinung gewonnen: der effektivste und effizienteste weg führt nicht daran vorbei: der eine MUSS mit dem anderen!
schade, dass den meisten menschen, egal ob steuerberater, heilpraktiker, jurist oder arzt etc., nicht genügend selbstbewusstsein eigen ist, dass sie erfolge teilen und grenzen erkennen können.
2 Responses to “wer heilt, hat recht…”
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