Archive for the ‘weiche wörter’ Category

* mit-gefühl & ohne worte

Posted on January 30th, 2009 by mel. Filed under alles, weiche wörter.


draußen ist es kalt. mein atem schwebt in weißen nebelwolken vor mir. in meiner brust fühlt es sich an, als ob mein herzmuskel viel zu kurz wäre und jeder herzschlag löst einen ziehenden schmerz aus. Ich bin müde. glücklicherweise habe ich einen autopiloten. ich laufe weiter, obwohl mir nicht mehr nach weiter ist.

wieder einmal habe ich einen freund in der psychatrie besucht. wieder einmal bin ich durch die weißen gänge gegangen, wieder einmal habe ich diese vielen gesichter gesehen, hoffnungslos, traurig, müde . . . lebensmüde. und wieder habe ich erschrocken festgestellt wie jung die meisten menschen hier sind. auf die meisten wartet noch soviel leben, aber sie wollen es nicht mehr, sie haben angst davor und wenn sie noch genügend energie haben, dann hassen sie es.

es gibt viele diagnosen dafür, für das, was diese menschen dorthin gebracht hat. namen von krankheiten, auflistungen von symptomen, behandlungsmethoden und medikamente. ist das leid leichter zu ertragen, wenn wir ihm namen geben? schwindet das gefühl der hilflosigkeit, wenn wir behandeln? was behandeln wir bzw. die ärzte und therapeuten denn dann?

viele menschen haben bilder dieser “krankheiten” vor augen von ehemaligen missbrauchsopfern, von menschen, die sehr schlimme erlebnisse in ihrem leben hatten, von junkies, von irgendwelchen “sonderfällen”. ein “normaler” mensch landet dort nicht, oder? es muss irgendetwas erklärbares dafür geben.

aber oft gibt es das nicht, jedenfalls nicht so einfach. aber wir brauchen diese einfachen erklärungen, . . . damit wir weitermachen können. weitermachen, wie bisher.

auf dem weg nach hause klickert mir mein autopilot kurz zu und bittet um eine bewusste wahrnehmung eines straßenschildes. “park der menschenrechte” lese ich auf dem schild. menschenrechte. ja, darum geht es. wir müssen uns so etwas aufschreiben. wir müssen uns in gesetzbüchern detailliert definieren, was menschlich ist und was nicht. weil wir es sonst nicht mehr wissen? weil wir es vergessen würden? warum muss es ein GRUNDgesetz geben? warum muss es ein gesetz geben, dass kinder nicht geschlagen werden dürfen? wissen wir das ohne diese schriften nicht von alleine? scheinbar nicht. gucke ich mir die diskussionen um pietät in bezug auf die opfer der flutkatastrophe in südostasien an, dann wunder ich mich schon sehr. auf der einen seite beschweren sich touristen über die noch unaufgeräumten strände, auf der anderen seite werden bestimmte, damit nicht zusammenhängende, lieder nicht mehr gespielt. zeigt das nicht, wie wenig wir in der lage sind das normale mittelmass zu finden, normale und echte menschlichkeit an den tag zu legen? da müssen dann regelungen für alle gefunden werden, regelungen, die uns vorschreiben, wie wir uns als mensch zu verhalten haben. wissen wir das denn selbst nicht mehr?

je weiter sich unsere zivilisation entwickelt, desto detaillierter werden die gesetze. gesetze, die uns vorschreiben, wie wir uns zu verhalten haben. welches verhalten angemessen ist. ernährungspläne, die uns zeigen, wie viel und was wir essen sollten, werbung und medien, die uns zeigen, was man anziehen sollte, welche frisur man tragen sollte. manche individualisten haben glück und werden verehrt und nachgeäfft, andere haben pech und werden ausgelacht.

doch so sehr wir uns aufschreiben, was wir wann wie tun sollten, eines können uns gesetze und regeln nicht vermitteln: echte menschlichkeit. es gibt kein gesetz, dass uns sagt, wir müssen andere menschen achten, respektieren, mitgefühl zeigen. es gibt zwar Gesetze, die uns vorschreiben, ein bestimmtes verhalten, das aus mangelndem respekt, achtung und mitgefühl entsteht, zu unterlassen, aber das ist nur die oberfläche. nicht, weil wir bestimmte dinge nicht wollen oder sie uns gar nicht in den sinn kommen tun wir sie nicht, sondern oft nur, weil wir sie nicht dürfen.

manches mal kommt wohl so etwas wie erinnerung hoch. da wird dann gross gespendet, oder zu weihnachten wird wieder in die kirche gegangen. scheinbar gibt es noch ein bedürfnis danach, wieder menschlicher zu werden. aber irgendwie erweckt dieses zwanghafte massenverhalten den eindruck, dass die meisten gar nicht mehr wissen wie das eigentlich geht, wie sich das anfühlt. auf der suche nach menschlichkeit wird uns viel angeboten. religionen, gemeinnützige vereine, ehrenamtliche tätigkeiten. und wenn wir an diesen programmen “mensch” teilnehmen, dann schwindet ein wenig das gefühl, dass hier irgendwas verkehrt läuft.

die eltern von meinem freund haben sicherlich auch für irgendeine “humanitäre hilfe” gespendet. ihr kind ist auch aufgewachsen mit genügend zu essen, mit guter kleidung, schulbildung, einem schönen haus. es hat ihm alles nichts genützt. er ist jetzt im krankenhaus. ein häufchen elend. und ihm kommen die worte “ich will doch nur liebe” über die lippen. die eltern haben ihm geantwortet: “wird schon wieder alles gut, junge, jetzt bist du ja hier und die rücken dir hier das weltbild wieder zurecht und dann kannst du auch wieder arbeiten und dir ein schönes leben aufbauen.” einer der nettesten sätze dazu.

anfangs war ich wütend, hätte sie am liebsten mit vorwürfen und anschuldigungen überschüttet. jetzt ist nur noch traurigkeit da. sie haben versucht, ihm das überleben beizubringen und ihm das notwendige dafür zu geben. sie haben ja schließlich auch so überlebt. aber ihm reicht das nicht. hinter all den schönen dingen, die er bekommen hat, konnte er sein grundbedürfnis nicht wegsperren. er braucht leben zum überleben. wie so viele, die es auch nicht mehr schaffen, allein mit den “schönen dingen”, “sich zusammenreissen” und “anderen geht es viel schlechter”.

so sehr ich auch überlege, ich finde auf die äusserung seines wunsches keine antwort in worten. ich werde sie wohl auch nicht in einem gesetzestext finden. mein gefühl schlug mir eine antwort vor: mitfühlen und da sein. ohne worte.

scheiße . . . es ist hart ohne autopiloten, den wir für mitgefühl nicht haben.

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* die geborgenheit des einfachen

Posted on January 1st, 2009 by mel. Filed under alles, weiche wörter.


freude über sonnenstrahlen, die die haut streicheln … ohne denken zu müssen, das sie gehen, der winter wieder kommt, hautkrebs und das die blumen gegossen werden müssen, weil sie sonst vertrocknen.

freude über den duft und geschmack eines frischen kaffees … ohne denken zu müssen, woher der kaffee stammt, wie es den menschen geht, die ihn anbauen, wie viel noch davon in meinem schrank steht und ob und wann ich neuen kaufen muss und ob noch geld dafür da ist und woher neues geld kommt.

freude über die stille, die mich umgibt … ohne denken zu müssen, wieviele geräusche eigentlich in so einen tag gehören, wieviele geräusche notwendig sind um wieder zur stille zurückkehren zu können..

freude über träume, die in bunten bildern vor meinen offenen augen vorbeiziehen … ohne denken zu müssen, wie viele träumelähmende worte es kostet, wenn man sie teilen möchte, wie sich der schmerz anfühlt, wenn die anderen darüber lachen, wie wenig bedeutung träume um ihrer selbst willen haben, ohne realisierung.

freude über die katze, die still und manchmal laut ihrer wege geht, aber immer wieder vorbeischaut um ihre zuneigung zeigt … ohne denken zu müssen, wie anders tiere und menschen doch sind, wie schlecht es manchen von ihnen geht, den tieren UND den menschen, und ob ich das katzenklo heute noch sauber machen muss.

einfach in der stille auf dem boden sitzen. dort wo die sonnenstrahlen hinfallen, den kaffee in der hand, vor sich hinträumend die katze am ohr kraulen.

nichts denken.

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* manchmal

Posted on January 1st, 2009 by mel. Filed under weiche wörter.


kann ich am handeln der menschen erkennen, dass es so ist. worte mag ich lieber still.

danke.

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wo?

was?

wann?